Den unbekannten Meister näher kennenlernen
Michael Zeynsler gilt als einer der bedeutendsten Bildschnitzer Oberschwabens um 1500. Die Sonderausstellung „Der unbekannte Meister“ ist im Biberacher Museum noch bis Sonntag, 18. Oktober, zu sehen. In den öffentlichen Führungen gibt es Einblicke in Leben und Wirken Michael Zeynslers.
Viele seiner Werke waren lange keinem Künstler eindeutig zuzuordnen. Deshalb sprach die Kunstgeschichte zunächst nur vom geheimnisvollen „Meister der Biberacher Sippe“. Forschende entdeckten im Biberacher Bürgerbuch den Eintrag eines „Michel Zeynsler, Bildhauer aus Memmingen“, der sich 1515 in Biberach niederließ. Seitdem vermuten viele Expertinnen und Experten, dass sich hinter dem „Meister der Biberacher Sippe“ dieser Michael Zeynsler verbirgt.
Auch über seine Herkunft weiß man erstaunlich wenig. Wahrscheinlich wurde Zeynsler kurz nach 1480 irgendwo im Dreieck der Reichsstädte Ulm, Memmingen und Biberach geboren und arbeitete zunächst in Memmingen oder Ulm. Vermutet wird, dass er bei bedeutenden Bildhauern seiner Zeit gelernt oder mit ihnen zusammengearbeitet hat. Sicher ist, dass Zeynsler zwischen 1501 und 1506 bei Meister Hans Herlin am Chorgestühl der Memminger Pfarrkirche St. Martin als Geselle mitgearbeitet hat. Seine Werke zeigen Einflüsse der großen Ulmer und oberschwäbischen Werkstätten – gleichzeitig entwickelt er aber einen ganz eigenen Stil.
Zeynslers Figuren wirken außergewöhnlich lebendig und menschlich. Gesichter zeigen Trauer, Ernst oder Nachdenklichkeit, Bewegungen erscheinen natürlich und nahbar. Gerade diese emotionale Wirkung macht seine Arbeiten besonders eindrucksvoll. Seine Werke finden sich heute nicht nur in oberschwäbischen Kirchen, sondern auch in Museen in Stuttgart, Nürnberg, München, Frankfurt, Paris oder sogar New York. Trotzdem bleibt Michael Zeynsler bis heute in vielem ein Rätsel – und genau das macht ihn so faszinierend.
Weitere spannende Informationen erhält man bei einer der öffentlichen Führungen im Museum. Die Termine im August sind:
- sonntags, jeweils um 11.15 Uhr: am 2. August mit Ina Billwiller, am 9. mit Karin Reichardt, am 16. mit Edeltraud Garlin, am 23. mit Wolfgang Schmitt und am 30. mit Klaus Veeser
- sonntags, jeweils um 15 Uhr: am 2. August mit Markus Pflug, am 9. und 16. mit Wolfgang Schmitt, am 23. und 30. mit Christa Lauber
- donnerstags, jeweils um 18 Uhr: am 6., 13. und 20. August, jeweils mit Friederike Quander und am 27. mit Christa Lauber
- Schauwerkstatt „Von der Skizze zur fertigen Skulptur“ mit Bildhauer Rupert Willburger am Samstag, 15. August, und mit Bildhauer Roland Nehm am Samstag, 22. August, jeweils 14 bis 17 Uhr
- Einblicke von Restauratorinnen am Objekt „Wie kommt die Skulptur ins Museum“ mit den Restauratorinnen Katleen Otte und Heidi Haller am Samstag, 29. August, 14 bis 17 Uhr