OB Norbert Zeidler blickt auf das diesjährige Schützenfest

Das Schützenfest ist für alle Biberacherinnen und Biberacher etwas Besonderes – natürlich auch für Norbert Zeidler. Im Interview erzählt der Oberbürgermeister, weshalb er das Fest als Stadtoberhaupt erlebt wie kein anderer, an welchen Stellen die Stadt Schützen unterstützt und welcher sein Lieblingstag ist.

Bild vergrößern: Oberbürgermeister Norbert Zeidler am Rednerpult bei der Heimatstunde 2023
Oberbürgermeister Norbert Zeidler am Rednerpult bei der Heimatstunde 2023, Für die diesjährige Heimatstunde verspricht OB Zeidler persönliche Einblicke: „Ich versuche etwas Neues.“

  

Herr Zeidler, nur noch wenige Tage bis Schützen. Ist der OB „g’richt“?
Ja, der OB meldet sich „startklar“. Meine Reden bereite ich schon meistens zu 80 Prozent in den Pfingstferien vor, der Feinschliff geht dann oft noch bis zum Tag der Ansprache. Aber viel wichtiger: Baubetriebsamt und Ordnungsamt, die ja die städtische Hauptlast tragen, sind bestens vorbereitet – Schützen kann kommen.

Ist die Vorfreude nach Ihrem Ausfall im vergangenen Jahr aufgrund eines Gehirntumors jetzt besonders ausgeprägt?
In der Tat. Das musste vergangenes Jahr ja alles ganz schnell gehen. Diagnose Anfang Juni, sechsstündige Operation am 25. Juni und dazwischen noch schnell die Heimatstunde als Video aufgenommen. An Schützen selbst war ich wieder zu Hause und wartete auf die Reha. Da war ich noch reichlich wackelig, aber ein paar Ständle in der Nachbarschaft habe ich besucht. Das alles ist jetzt Geschichte – ich nehme jeden Tag als großes Geschenk und bin einfach nur glücklich, wieder gesund zurück zu sein.

Stichwort Heimatstunde: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in Ihrer diesjährigen Rede?
Ich versuche etwas Neues und bin gespannt, wie es ankommt. Lassen Sie sich überraschen. Der Titel dieser Rede könnte lauten: „Historica Magistra vitae!“ – die Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens.

Zudem gibt es ein paar sehr persönliche Einblicke von mir, zum Beispiel mein Lebensmotto. Aber mehr wird nicht verraten. Mir ist wichtig, die Menschen zum Nachdenken und zur Diskussion zu bringen, dann war eine Rede gut.

Als Redner hast du eine große Verantwortung: Die Menschen schenken dir ihre Zeit und Aufmerksamkeit. Für mich erwächst daraus die Verpflichtung, mein Bestes zu geben. Mit Tiefgang und Leichtigkeit, mit Humor und Nachdenklichkeit, mit Botschaft – und vor allem authentisch. Glauben Sie mir, das ist auch in meinem 28. Jahr als (Ober)Bürgermeister noch immer keine Routine. Ich freu‘ mich drauf.

Wie erlebt man als OB das Schützenfest?
Sehr speziell, sehr eigenwillig, vermutlich wie kein anderer Biberacher. Da sind zunächst die offiziellen Anlässe, Reden, Begrüßungen, Empfänge. Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kommen gerne zu uns. Da wird auch abseits des Rampenlichts vieles besprochen und eingefädelt, da bin ich Repräsentant und Netzwerker gleichermaßen. Hinzu kommt das morgendliche Briefing zur Sicherheitslage, zu besonderen Vorkommnissen. Jeden Morgen gleichen sich Polizei, Feuerwehr, DRK, Bauhof, Ordnungsamt, Schützendirektion und Stadtspitze ab. Wenn aufgrund der aktuellen Lage nachjustiert werden muss, wird das dort besprochen. Sicherheit hat oberste Priorität!

Bleibt auch Zeit zum Genießen?
Wenn die Dinge alle laufen und ich noch Zeit habe, schaue ich auch immer gerne bei Ständle und Gartenfesten vorbei oder genieße die abendliche Stimmung auf dem Berg oder in der Stadt. Zusammengefasst bin ich halt den ganzen Tag unterwegs, wie alle Biberacher, eben in unterschiedlichen Rollen.

Wie unterstützt die Stadt Biberach das Schützenfest?
Ich glaube, das kann man mit drei Worten ganz gut umschreiben: finanziell, personell und natürlich ideell. Allein unser Baubetriebsamt erbringt Leistungen im Wert von rund 700.000 Euro. Auch unser Kulturamt und unser Ordnungsamt sind besonders gefordert. Wahnsinnig viele Stunden fließen hier in die Vorbereitung des Fests und Schützen ist auch Teil so manchen Mitarbeiterdeputats. Vergessen darf man auch nicht, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ehrenamt am Fest mitwirken. Letztlich trägt die ganze Stadtverwaltung Schützen mit, anders wäre ein Fest in dieser Größenordnung auch nicht leistbar. Hinzu kommt, dass wir als Stadt sehr gut mit der Schützendirektion zusammenarbeiten. Dafür bin ich sehr dankbar.

2026 gibt es auch Veränderungen …
… und das ist gut so. Nichts ist beständiger als der Wandel und ein Fest muss immer wieder neu überdacht und neu justiert werden. Wir werden seitens der Stadt zum Beispiel unseren Empfang der Ehrengäste, der immer um 8 Uhr im Rathaus war, in die Gigelberghalle verlegen und nach dem Umzug als gemeinsamen Empfang der Schützendirektion mit der Stadt veranstalten. Das gibt Luft und zeitliche Entzerrung für unsere Gäste nach dem Umzug und der bisherige Imbiss wird zu einem lockern Stelldichein, sehr zwanglos, mit Gelegenheit mit einer Vielzahl von Gästen ins Gespräch zu kommen.

Worauf sind Sie besonders gespannt?
Auf den Wasenhimmel. Ich glaube, da ist der Direktion in der Verantwortung von Schützendirektor Marc Jungblut ein großer Wurf gelungen, auf den man sich freuen darf. Der Berg ist für das finanzielle Gelingen des Schützenfests von elementarer Bedeutung. Das mag der eine oder andere nicht gerne hören, aber die beachtlichen Ausgaben der Direktion für Sicherheit, für ihre Gruppen, für ihre Mitarbeiter das ganze Jahr über, die müssen durch das Fest auch erwirtschaftet werden. Soweit mein dezenter Werbeblock. Last but not least gibt es ja auch personelle Veränderungen. Rainer Fuchs mit dem ich sehr, sehr eng und vertraut die vergangenen zehn Jahre zusammengearbeitet habe, übergibt den Führungsstab an Ralf Rothenbacher. Auch das ist eine Zäsur.

Welche Schützen-Momente schätzen Sie besonders?
Es gibt Momente, die mir besonders nahegehen, die mich sehr berühren. Dazu gehört das „Rund um mich her“ bei der Abnahme und beim Jahrgänger-Gottesdienst. Beides Mal ist unglaublich viel Energie gepaart mit Dankbarkeit und Lebensfreude fast schon mit Händen greifbar. Mein Lieblingstag ist Bauernschützen: Wenn alles geklappt hat, wenn alle hoffentlich wieder gut und gesund nach Hause kommen, wenn wir Biberacher wieder unseren „Way of Life“ gemeinsam gefeiert haben, dann sehen Sie im Lager einen sehr, sehr glücklichen Norbert Zeidler.

Wie lautet Ihr Schützenwunsch 2026?
Wie jedes Jahr: „A scheena Schütza!“ – friedlich, fröhlich, freundschaftlich, festlich!