Biberach hat ausreichend Plätze in der Kindertagesbetreuung - eine Einrichtung soll schließen
Grundlage für die Bedarfsplanung bis zum Kindergartenjahr 2028/29 ist die durchschnittliche Geburtenzahl in Biberach. Diese liegt bei 336. Für die vorherige Bedarfsplanung war noch mit 355 Geburten kalkuliert worden. Biberach liegt damit im Trend – auch auf Landesebene werden zurückgehende Geburtenzahlen prognostiziert. Bereits die aktuellen Anmeldezahlen spiegeln diese Entwicklung in Biberach wider. 389 Anmeldungen sind für das neue Kindergartenjahr bislang eingegangen. Zum selben Zeitpunkt des Vorjahres waren es noch 564.
Julian Adler, Amtsleiter Bildung, Betreuung und Sport, erklärte bei der Vorberatung der Bedarfsplanung und des Kindergartenberichts 2025/26 im Hauptausschuss, dass sich im Bereich der Ü3-Kinder für die kommenden Jahre eine Versorgungsquote von 115 Prozent ergebe – zuvor waren es 104 Prozent. In der Theorie gibt es damit ausreichend Betreuungsplätze für Ü3-Kinder. Da deren Plätze mitunter aber auch von Kindern unter drei Jahren belegt werden und diese rechnerisch dann zwei Plätze benötigen, sollte die Ü3-Versorgungsquote bei über 100 Prozent liegen. Nachdem dies der Fall ist, ergibt sich für die Stadt trotz einer U3-Versorgungsquote von 72 Prozent kein unmittelbarer Handlungsdruck, zumal die angenommene Bedarfsquote von 45 Prozent bei den unter Dreijährigen derzeit nicht erreicht wird.
„Gegenüber der letzten Bedarfsplanung kann von einer leichten Entspannung ausgegangen werden“, fasste Adler zusammen.
Vierte Gruppe startet
Dies liegt auch an den zahlreichen Baumaßnahmen, die die Stadt zuletzt angestoßen hat. Der Kindergarten Hirschberg ist die jüngste Einrichtung, er wurde vor zwei Jahren eröffnet. Derzeit sind dort drei Gruppen in Betrieb, die vierte Gruppe soll zum neuen Kindergartenjahr folgen. Der nächste große Baustein ist der Kindergartenneubau an der Rindenmooser Straße. Hier werden voraussichtlich bis zum Jahr 2029 84 neue Plätze geschaffen. Da dort die zwei Gruppen der evangelischen Kindertageseinrichtung Hühnerfeld integriert werden, entstehen effektiv zehn neue U3- und 22 neue Ü3-Plätze.
Geschlossen werden soll hingegen der evangelische Kindergarten „Am Wolfgangsberg“. Das Gebäude aus dem Jahr 1953 wurde zuletzt vor mehr als 20 Jahren generalüberholt und weist laut Julian Adler mittlerweile einen „erheblichen Sanierungsbedarf“ auf. Zum neuen Kindergartenjahr besuchen 15 Kinder den eingruppigen Kindergarten.
„Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es nicht mehr angebracht, die Einrichtung in dieser Form weiterzuführen“, so Adler. Außerdem fehlten Synergieeffekte und der Betrieb einer eingruppigen Einrichtung sei organisatorisch herausfordernd. Die finale Entscheidung des evangelischen Kirchengemeinderats für den Träger müsse noch eingeholt werden. Die Verwaltung empfehle, den Betrieb in den nächsten ein bis zwei Jahren auslaufen zu lassen.
Ein weiterer Punkt der Bedarfsplanung widmet sich der Zentralisierung von Ganztagesplätzen in der Kernstadt. Grundsätzlich sollen alle Betreuungsformen in jedem Stadtteil vorhanden sein. Laut Adler könne aber nicht jede Einrichtung jedes Betreuungsmodell anbieten. Deshalb sollen Ganztagesgruppen nur dann fortgeführt werden, wenn mindestens sieben Kinder angemeldet sind.
Außerdem will die Stadt die 20 Jahre alten Regelungen zur Schließung von Betreuungsgruppen überarbeiten. So soll eine Gruppe auf eine Kleingruppe reduziert werden, wenn dauerhaft – mindestens sechs Monate lang – weniger Plätze als 80 Prozent der vorgesehenen maximalen Gruppengröße belegt sind. Ist die Kleingruppe wiederum dauerhaft weniger als 70 Prozent ausgelastet, soll diese geschlossen werden. Und für den Fall, dass in der gesamten Einrichtung die Belegung über einen längeren Zeitraum unter 80 Prozent sinkt, sollen Maßnahmen zur Anpassung der Gruppenstruktur oder der Gruppenzahl ergriffen werden.
201 Beschäftigte
Konsequent fortführen will die Verwaltung außerdem ihre Anstrengungen zur Personalgewinnung. Für das Kindergartenjahr 2026/27 konnten erstmals seit längerer Zeit wieder alle Stellen vollständig besetzt werden – überwiegend mit selbst ausgebildetem Personal. 201 Beschäftigte hat die Stadt im pädagogischen Bereich, die meisten davon arbeiten in Teilzeit.
In Einrichtungen mit mindestens zwei Ganztagesgruppen soll es ab Januar 2027 an zwei Tagen mehr Zeit für Fortbildungen sowie Konzeptions- und Planungstage geben. Die Schließtage würden sich für das Personal von 25 auf 23 reduzieren, stattdessen mehr flexibel planbare Urlaubstage zur Verfügung stehen. Für die Eltern bliebe die Anzahl der Schließtage unverändert bei 25.
Darüber hinaus plant die Verwaltung die Ausweitung der bestehenden Regelung zur Bezuschussung von Praxisintegrierten Ausbildungsplätzen (PiA). Von dieser profitieren bislang nur freie Kindergartenträger. Ab Januar 2027 soll die Regelung auch für freie Kinderkrippenträger gelten. Werden alle 6,33 infrage kommenden PiA-Stellen im Krippenbereich besetzt, ergibt dies einen Personalkostenzuschuss von rund 124.000 Euro.