Fritz Erler

Fritz Erler (1913-1967) – Widerstandskämpfer, politischer Reformer, Demokrat und SPD-Politiker mit Weitblick

Bild vergrößern: US-Verteidigungsminister Robert McNamara (rechts) im Gespräch mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Fritz Erler (links) und Westberlins Regierendem Bürgermeister Willy Brandt (SPD) am 13. April 1965 in Arlington, Virginia, USA, Bild: © FRANK HALL
US-Verteidigungsminister Robert McNamara (rechts) im Gespräch mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Fritz Erler (links) und Westberlins Regierendem Bürgermeister Willy Brandt (SPD) am 13. April 1965 in Arlington, Virginia, USA (Stadtarchiv Biberach, M2 Erler)

„Zum Grundgesetz stehen, das heißt, die Demokratie verteidigen, ausbauen und jeden Anschlag auf die demokratischen Rechte abzuwehren […]“1

Fritz Erler war nicht nur einer der bedeutendsten SPD-Abgeordneten der 1950er und 1960er Jahre, sondern auch der erste Biberach Landrat nach dem Zweiten Weltkrieg.

Erler wurde 1913 in Berlin geboren und trat mit 15 Jahren in die Sozialistische Arbeiterjugend ein.2

Während der Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes engagierte Erler sich in der sozialdemokratischen Widerstandsgruppe „Neubeginn“. Im Herbst 1938 wurde die Gruppe zerschlagen und Erler in einem Gerichtsprozess zu zehn Jahren Haft verurteilt. Auf einem der sogenannten Todesmärsche in das Konzentrationslager Dachau gelang Erler in Bayern die Flucht.3

In Oberschwaben tauchte Erler bis nach der Befreiung durch die französische Armee unter. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagierte er sich zunächst einmal als Dolmetscher und in der Verwaltung, da eine direkte politische Betätigung in den ersten Monaten nach Ende des Krieges nicht möglich war. 1945/46 verfasste Erler verschiedene Artikel in der Schwäbischen, um sich zu politisch wichtigen Themen wie die Integration von Flüchtlingen eindeutig zu positionieren und auf diesem Weg die Demokratisierung der Bevölkerung zu unterstützen.

Im Januar 1946 wurde Erler zum ersten Biberacher Landrat ernannt und setzte sich nun direkt für den Wideraufbau und die demokratische Erneuerung im Landkreis Biberach ein. Auf Grund seiner pragmatisch orientierten Arbeitsweise kam es immer wieder zu Konflikten zwischen ihm und den französischen Machthabern. Erler kam im März 1946 für vier Monate in Haft, weil er einem Deserteur zu einer Kennkarte und Arbeit im Landkreis Biberach verholfen hatte, dieser jedoch straffällig wurde und ihn daraufhin denunzierte.4

Nach seiner Haftentlassung berief ihn Carlo Schmid zum Vorsitzenden einer Kommission zur Säuberung und Reorganisation der Innen- und Finanzverwaltung in Tübingen. 1949 wurde Erler für die SPD in den ersten Bundestag gewählt.5 Bekannt wurde Erler durch seine harte Linie bezüglich der von der Entnazifizierungsinstanzen eingestuften Mitläufer, die sich politisch beteiligen wollten. In einer Rede vor dem Bundestag bemerkte Erler: „Wer mitläuft, kann nicht führen.“6 Fritz Erler setzte sich bis zu seinem Tod für die Demokratie ein, prägte die politische Linie der SPD in der Nachkriegszeit nachhaltig und trug entscheidend zur Bildung der großen Koalition CDU/SPD bei. Am 22.02.1967 starb er in Pforzheim. 

1 Soell, Hartmut, Fritz Erler, politische Biographie, Berlin, 1976, S. 328.
2 Vgl. Abraham, Hartwig, Fritz Erler, Landrat in Biberach 1945/46, in Heimatkundliche Blätter (1990/1), S.38-41.
3 Vgl. Fritz Erler (1913-1967) Widerstandskämpfer und Vordenker der Sozialdemokratie (https://www.hausaufderalb.de/fritz-erler, zuletzt aufgerufen am 18.12.2024).

4 Vgl. Abraham, Fritz Erler, S. 40.
5 Vgl. ebd.
6 Kittel, Manfred, Die Legende von der „Zweiten Schuld“: Vergangenheitsbewältigung in der Ära Adenauer, Berlin, 1993, S. 71.