Unternehmertreffen: Biberacher Unternehmer sind bei der Firma KaVo zu Gast
Das 23. Biberacher Unternehmertreffen hat rund 150 Unternehmerinnen und Unternehmern zur Firma KaVo gelockt. Sowohl der Erste Bürgermeister Ralf Miller als auch KaVo-Geschäftsführer Armin Imhof gingen dabei auf die aktuelle wirtschaftliche Lage ein – und zeigten sich durchaus zuversichtlich.
Vernetzung, Austausch und neue Einblicke: All dies bietet das Biberacher Unternehmertreffen, zu dem die Stadtverwaltung regelmäßig einlädt. Ausrichter der diesjährigen Auflage war die Firma KaVo, eines der führenden Unternehmen der internationalen Dentalbranche.
Der Erste Bürgermeister und Wirtschaftsförderer Ralf Miller unterstrich in seiner Begrüßung die Bedeutung eines stetigen Austauschs mit den örtlichen Unternehmern. So erfahre man, „wo der Schuh drückt“ und bekomme zugleich Neues mit. „Als Stadt haben wir eine gewisse Verantwortung, dass die Rahmenbedingungen und Standortfaktoren passen.“
Aktuelle städtische Entwicklungen
Miller skizzierte aktuelle Entwicklungen in verschiedenen Bereichen der Stadt, darunter Wohnen, Bildung, Betreuung und Kultur sowie Mobilität. Gerade eine gute Anbindung des Verkehrs sei eine wichtige Voraussetzung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Welche Bedeutung dieser Bereich bei der Stadt einnimmt, unterstrich er exemplarisch am B30-Aufstieg und dem Bahnhaltepunkt Nord.
Beim Aufstieg, den der Landkreis Biberach zusammen mit der Stadt Biberach und der Gemeinde Warthausen plant, sei man kurz vor der Einleitung des Planfeststellungsverfahrens, das etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen werde. Die derzeitige Kostenschätzung belaufe sich auf rund 115 Millionen Euro.
Darüber hinaus will die Stadt in den kommenden Jahren die Realisierung des Bahnhalts im Biberacher Norden (Gewerbegebiet Aspach) angehen. „Wir kämpfen um diesen Bahnhaltepunkt Nord“, sagte Miller. Dieser sei auch im Interesse der dortigen Unternehmen und ihrer Mitarbeiter. Er hoffe, dass der Bahnhalt gebaut werden könne, man müsse aber sicherlich von weiteren vier bis fünf Jahren ausgehen.
Ein wenig nachdenklich blickte der Erste Bürgermeister auf aktuelle Entwicklungen, die auch die Stadt umtreiben würden. Er warf die Frage auf, ob die Politik ihr Wohlstandsversprechen noch einlösen könne. Dieses Versprechen sei ein sehr breites; es beziehe sich auf eine funktionierende öffentliche Infrastruktur, leistungsfähige soziale Sicherungssysteme und nicht zuletzt kontinuierlichen Aufstieg durch die eigene Arbeit.
„Allerdings erleben wir gerade viel Gegenteiliges.“ Dazu gehörten Insolvenzen, auch in Biberach. „Das haben wir so bei uns bislang nicht gehabt“, sagte Miller. Damit einher gehe der Verlust von Arbeitsplätzen und weiterer Vertrauensschwund. Dieser Vertrauensschwund sorge dafür, dass Menschen für Botschaften des „linken und rechten politischen Spektrums“ empfänglich seien. „Dem müssen wir etwas entgegensetzen.“
Miller zeigte sich überzeugt, dass auch die Unternehmen vor Ort ihren Teil dazu beitragen können. Die Region sei nicht abgehängt, vielmehr werde investiert und eine hohe Innovationskraft gezeigt. „Man spürt, dass der Wille da ist, diese Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.“ Auf der anderen Seite habe die Stadt Biberach die Kraft und ein „wirtschaftsfreundlicher“ Gemeinderat den Willen, in Standortfaktoren zu investieren. „Dies alles lässt mich sehr optimistisch in die Zukunft blicken“, betonte Miller. „Wir haben eine Kombination von vielen positiven Faktoren.“
1.500 Mitarbeiter
Das Stichwort Innovationskraft griff auch KaVo-Geschäftsführer Armin Imhof auf. Er bildet zusammen mit Oliver Krett und Jan Moed die Dreierspitze des Dentalprodukte-Herstellers. „Wir sind sehr darauf bedacht, Innovationen auf den Markt zu bringen“, betonte Imhof. Allein die hohen Arbeits- und Produktionskosten am Standort Deutschland bedingten dies, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Geschäftsführer nannte einige bedeutsame Entwicklungen aus dem Hause KaVo, die bis heute die internationale Entwicklung in der Dentalbrache prägten: vom weltweit ersten sterilisierbaren Handstück (1928) über das Kupplungssystem Multiflex (1977) – noch heute anerkannter Standard – bis hin zu einer Kamera, die Zähne ohne Röntgenstrahlen „durchleuchtet“ und Bilder in Full-HD-Auflösung innerhalb einer Sekunde erzeugt (2021).
Weltweit beschäftigt KaVo rund 1.500 Mitarbeiter. Etwa 400 davon sind in der Biberacher Zentrale tätig, weitere 750 in Warthausen. „Alles, was den Schriftzug KaVo trägt, verlässt die Rampen in Biberach und Warthausen“, erklärte Imhof. „Made in Biberach“ und „Made in Warthausen“ stehe für Entwicklung, Produktion und Vertrieb hier vor Ort. Man sei stolz darauf, eine „sehr hohe Wertschöpfung“ zu haben, 80 bis 90 Prozent der Instrumententeile würden selbst produziert. Der Rest komme, soweit möglich, aus dem näheren Umfeld. KaVo sei global präsent.
„Unser wichtigster Markt ist nach wie vor Deutschland.“ Dicht gefolgt von den USA und Japan. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen sei KaVo derzeit gut unterwegs und könne das laufende Jahr voraussichtlich mit einem kleinen Plus abschließen.
Die Gesundheitsreform in Deutschland sorge für Zurückhaltung bei den Zahnärzten und bremse die Investitionsbereitschaft. Gleichzeitig würden Wettbewerber aus anderen Ländern ihre Qualitätsstandards kontinuierlich verbessern und von günstigeren Kostenstrukturen profitieren. „Wir müssen produktiver werden, um diesem globalen Wettbewerb standhalten zu können“, machte Imhof klar. Diese Herausforderung nehme KaVo jeden Tag an. Investitionen in die Standorte Biberach und Warthausen sollen dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken und Prozesse noch effizienter zu gestalten.
Imhof schloss seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, dass 90 Prozent der Zahnärzte in der westlichen Welt mindestens ein KaVo-Produkt nutzten. KaVo sei eine starke Marke, der vertraut werde. „Das ist unser großes Pfund. Darauf können wir aufbauen und auch künftig mit innovativen Produkten erfolgreich am Markt sein.“
Abgerundet wurde das Unternehmertreffen durch einen Vortrag von Ralf Möschen und Björn Jäschke. Möschen leitet das Kriminalkommissariat Biberach, Jäschke die Kriminalinspektion 5 (Cybercrime und digitale Spuren) beim Polizeipräsidium Ulm. Die beiden erklärten, wie sich Unternehmen gegen Cyberkriminalität schützen können, wie die Täter vorgehen und was nach einem möglichen Angriff passiert.
Gegründet wird KaVo im Jahr 1909 in Berlin-Steglitz von Alois Kaltenbach, 1919 wird Richard Voigt Partner und „KaVo“ als offizieller Name eingeführt. 1946 verlegt das Unternehmen seinen Sitz nach Biberach. Das KaVo-Werk in Warthausen gibt es seit 1976. 2004 wird das Familienunternehmen KaVo Teil der US-amerikanischen Danaher Corporation. Seit 2022 gehört KaVo zur finnischen Planmeca-Gruppe, dem größten Dentalunternehmen in privater Hand.