So steht es um die Biberacher Wälder

Das städtische Forstamt bewirtschaftet rund 2.400 Hektar Stadt- und Hospitalwald. Einen kleinen Teil davon besichtigt der Gemeinderat alle paar Jahre beim so genannten Waldbegang und informiert sich über aktuelle Entwicklungen. Jetzt ging es bei Ellmannsweiler in den Distrikt Benzenghau im Bereich des Forstreviers Winterreute.

Bild vergrößern: Waldbegang 2026 Bild: © Stadt Biberach
Forstamtsleiterin Frauke Holland erklärt, wie die Betriebsinventur abläuft.

  

Forstamtsleiterin Frauke Holland und Ralf Miller, Erster Bürgermeister und Hospitalverwalter, konnten zum Waldbegang durch den hospitälischen Forst neben dem Gemeinderat auch zahlreiche Amtsleiter und ehemalige Stadträte begrüßen. An vier verschiedenen Stationen wurden sie über die derzeitigen Herausforderungen, aber auch die tägliche Arbeit des Forstamts informiert.

Wie junge Fichtenbestände behandelt werden, erklärte Frauke Holland an einem Standort, der aufgrund des Lehmbodens und eine sich daran anschließende Tonschicht herausfordernd ist. „Für Bäume ist es entscheidend, dass sie auf einem guten Boden stehen. Durch die Tonschicht in etwa 40 Zentimetern Tiefe dringen die Wurzeln aber nicht hindurch, so dass die Bäume instabil sind.“

Um die empfindlichen Böden zu schonen, wird der Abstand zwischen den Rückegassen auf diesen Flächen von den üblichen 20 bis 30 Metern auf 40 Meter erhöht. Dadurch wird der Boden auf weniger Fläche befahren, was dazu beiträgt, eine weitere Verdichtung der Böden zu vermeiden.

Da der Harvester (Holzvollernter) die Bäume zwischen den Rückegassen dann nicht mehr überall mit seinem Kran erreichen kann, werden die Bäume von Forstwirten mit der Motorsäge gefällt. „Eine arbeitsintensive Aufgabe“, berichtete Forstwirtschaftsmeister Moritz Pfarr. Die gefällten Bäume werden anschließend mit einer Seilwinde in die Rückegassen gezogen, wo sie dann durch den Harvester aufgearbeitet werden können.

Bild vergrößern: Waldbegang 2026 (2) Bild: © Stadt Biberach
Gunnar Doerry (r.) erläutert die Pflegemaßnahmen auf einer Fläche, die wieder aufgeforstet wurde.

Wenige Hundert Meter weiter ergab sich für die Besuchergruppe ein gänzlich anderes Bild. Hier hatte Orkan „Sabine“ im Februar 2020 gewütet, auf einer Fläche von 16 Hektar fielen rund 56.000 Festmeter Fichtenholz an.

Zum Vergleich verdeutlichte Frauke Holland, dass der geplante jährliche Einschlag in den städtischen und hospitälischen Wäldern bei etwa 26.000 Festmeter liegt. „Die Fichte ist unser Brotbaum, sie wird aber immer weniger“, sagte Revierleiter Gunnar Doerry. Deshalb ergänze man den Fichtenbestand, der sich an dieser Stelle durch Naturverjüngung von selbst wieder aufbaue, gezielt auch durch andere Baumarten. Darunter Weißtanne, Bergahorn, Rotbuche, Eiche, Waldkiefer und Lärche. Die Pionierbaumarten Vogelbeere, Birke, Pappel und Eberesche samen sich zusätzlich selbst an.

Etwa 6.500 Pflanzen wurden so in den vergangenen Jahren auf der 16 Hektar großen Fläche gesetzt. Damit die einzelnen Bäume auch langfristig stabil sind, wird der Bestand regelmäßig gepflegt. „In dieser Phase können wir noch eingreifen und die Baummischung regulieren“, erklärte Gunnar Doerry. Dadurch verliere man auch keine Baumart, fügte Frauke Holland hinzu und nannte ein Beispiel: „Die Eiche ist der Fichte bei der Wuchskraft unterlegen und wäre dadurch in zehn Jahren an manchen Stellen gar nicht mehr da.“

Weshalb das Jahr 2026 ein besonderes für das städtische Forstamt ist, erläuterte die Amtsleiterin an einer weiteren Station. Derzeit findet die Betriebsinventur statt, die alle zehn Jahre gemacht wird. Sie ist Ausgangslage für die darauffolgende Forsteinrichtung, in der die Bewirtschaftung der Wälder für die kommenden zehn Jahre festgehalten wird. „Für uns ist diese Bestandsaufnahme die einzige Möglichkeit, eine valide Datengrundlage zu bekommen“, sagte Holland.

Im Biberacher Forst ist es die vierte Wiederholungsinventur, bereits vor mehr als 40 Jahren wurden in einem Abstand von 100 auf 200 Meter Metallpflöcke in der Erde vergraben – insgesamt rund 1.200 Stück. Mithilfe von GPS werden diese Messpunkte bei der Inventur gesucht und die Bäume in einem Radius von bis zu zwölf Meter erfasst. Je näher der Baum am Pflock, desto mehr Daten wie die Baumstärke werden erfasst. „So können wir alle zehn Jahre etwa zwei Prozent der Fläche vermessen“, erklärte Holland.

Nach der Auswertung durch das Regierungspräsidium wisse man, wie viel Holz entnommen wurde, wie viel zugewachsen ist und ob es einen Baumartenwechsel gab. „Wir sind sehr gespannt, wie sich der Vorrat durch die Stürme entwickelt hat.“

So etwas wie ein „Idealbild“ eines Waldes gab es gegen Ende des Rundgangs: ein alter, widerstandsfähiger Bestand mit Eichen und Buchen. Holland unterstrich, dass Vielfalt in der Struktur – ob Alter, Größe, Baumart – für widerstandsfähige Wälder sorge. „Wir wollen resiliente Ökosysteme, die sich bei Störungen weitestgehend selbst erholen.“

Die Försterin fand zum Abschluss auch ernstere Töne. Die Trockenheit in diesem Sommer mache sich bei der Borkenkäferpopulation deutlich bemerkbar. Auch am Zustand der Buche, die mancherorts schon seit Ende Juli braun sei, seien die Folgen gut zu erkennen. Überhaupt sei Regen dringend notwendig, um weitere Schäden abzuwenden. „Andere Auswirkungen dieses Sommers wie beispielsweise einen geringeren Holzzuwachs werden wir wahrscheinlich erst in zehn Jahren sehen.“