Klimamobilitätsplan nimmt konkrete Formen an

Wie sieht der Verkehr der Zukunft in Biberach aus? Dieser Frage geht der Klimamobilitätsplan (KMP) nach. Er definiert Maßnahmenpakete für eine nachhaltige Mobilität und verfolgt das übergeordnete Ziel, den CO2-Ausstoß im Verkehrssektor bis zum Jahr 2035 um mindestens 77,5 Prozent gegenüber 2010 zu reduzieren. Beim zweiten Mobilitätsforum wurde vergangene Woche der finale Entwurf vorgestellt. Rund 50 Interessierte waren ins Heinz H. Engler-Forum gekommen.

Bild vergrößern: 2. Klimamobilitätsforum Stadt Biberach Bild: © Stadt Biberach
An Stellwänden hatten die Bürgerinnen und Bürger beim 2. Klimamobilitätsforum die Möglichkeit, Maßnahmen zu bewerten und zu kommentieren.

  

Ende 2023 hatte der Biberacher Gemeinderat die Aufstellung eines KMP beschlossen. Die Öffentlichkeit wurde in der Folge über verschiedene Formate miteinbezogen, darunter eine Haushaltsbefragung, ein erstes Mobilitätsforum und eine Online-Beteiligung, an der mehr als 900 Personen teilnahmen.

Beim zweiten Mobilitätsforum wurde nun der finale Entwurf präsentiert. Baubürgermeister Simon Menth sprach in seiner Begrüßung von einem „sehr intensiven Prozess“, der auf die Zielgerade einbiege. Er unterstrich nochmals die Notwendigkeit des KMP für eine Stadt, die sich im Wachstum befinde, und bei 35.000 Einwohnern über mehr als 30.000 Arbeitsplätze verfüge. 20.000 Menschen würden Tag für Tag nach Biberach pendeln. „Es gibt gute Gründe, nach Biberach zu kommen und das soll so bleiben“, erklärte Menth. Aus Prognosen, dass Biberach deutschlandweit zu den Top-Wachstumsregionen in den kommenden Jahren gehöre, leite sich eine klare Aufgabenstellung ab. „Wir brauchen eine intelligente und nachhaltige Verkehrsplanung, am besten proaktiv“, so Menth.

Hierzu gebe es zwei Prämissen. Zum einen sei eine gute Erreichbarkeit für Biberach auch in Zukunft essenziell. Zum anderen müssten Potenziale ausfindig gemacht werden, wie die Verkehre vom Auto auf den Umweltverbund (ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr) verlagert werden können. Der KMP bietet laut Menth die Chance, bestehende Werke wie das Fußverkehrskonzept, den Radwegeplan und das Verkehrsentwicklungskonzept („strategisches Netz“) in einer übergeordneten Gesamtstrategie zu bündeln.

Sascha Klein vom Büro Inovaplan, das die Stadt bei diesem Prozess seit Anfang an begleitet, hob hervor, dass der KMP ein Instrument zur integrierten, klimaschutzorientierten Verkehrsplanung sei. „Es werden alle Verkehrsmittel betrachtet.“ Das Land schaffe überdies finanzielle Anreize: Für Maßnahmen, die sich aus dem KMP ableiten, könne die Förderquote von 50 auf 75 Prozent steigen. Als Leitbild und Zielsetzung nannte Klein die Unterstützung der Mobilitätswende sowie einen Wandel von der „autogerechten Stadt“ zur „multimodalen Stadt“.

Sieben Maßnahmenpakete

Erreicht werden soll dies mit sieben Maßnahmenpaketen – darunter Radverkehr, Fußverkehr, öffentlicher Verkehr und Kfz-Verkehr –, die wiederum in einzelne Maßnahmen unterteilt sind. Fünf zentrale Maßnahmen, die noch mit dem Verkehrsministerium abzustimmen sind, hatte der Gemeinderat vor Kurzem bereits gebilligt: die Neuordnung des ZOB und des Bahnhofsumfelds, den B-30-Aufstieg und damit verbundene verkehrslenkende Maßnahmen in der Innenstadt, den Neubau der Gemeindeverbindungsstraße Blosenberg und den Umbau des Verkehrsknotens Ulmer Straße/Memminger Straße, eine neue Hauptradwegeverbindung „Ost-West“ sowie einen möglichen neuen Bahnhalt Nord (Gewerbegebiet Aspach). Um Fördergelder zu erhalten, sind diese Bausteine verpflichtend umzusetzen.

Nach diesen einleitenden Worten konnten sich die Bürgerinnen und Bürger beim Mobilitätsforum selbst einen Überblick über die Maßnahmen verschaffen. Außerdem hatten sie die Möglichkeit, an Stellwänden Punkte für die ihnen wichtigsten Maßnahmen zu verteilen und Hinweise oder Kommentare zu verfassen. Insbesondere bei den Bereichen Rad- und Kfz-Verkehr wurde davon Gebrauch gemacht, was sich auch in der abschließenden Diskussion widerspiegelte. Mehrfach wurden die geplanten Straßenbauprojekte B30-Aufstieg und GV Blosenberg angesprochen und die Frage aufgeworfen, ob diese in einen Klimamobilitätsplan gehören.

Baubürgermeister Menth erklärte, dass viele Straßen in Biberach schon heute „extrem belastet“ seien. In den kommenden Jahren sei von einer weiteren Zunahme dieser Belastung durch den Kfz-Verkehr auszugehen. Bereits heute sei es herausfordernd, Flächen für den Ausbau der Geh- und Radweginfrastruktur zu finden. „Deshalb müssen wir diese Verkehre neu lenken, damit dies möglich wird.“ Ohne den B-30-Aufstieg und die GV Blosenberg könne der Umweltverbund nicht gestärkt werden. Sascha Klein ergänzte: „Man kann darüber kontrovers diskutieren. Aber diese beiden Straßen schaffen überhaupt erst die Voraussetzung, um im Bereich der Altstadt planerisch tätig werden zu können.“ Außerdem gebe es viele Gruppen, die auch in Zukunft auf ein Auto angewiesen seien.

Simon Menth fand abschließend lobende Worte für all jene, die sich an der Erarbeitung des Klimamobilitätsplans beteiligt haben. „Es ist ein absoluter Mehrwert, dass wir uns als Stadtgesellschaft so engagiert mit Fragen der Verkehrsplanung und Verkehrsentwicklung auseinandergesetzt haben.“ Außerdem verwies er auf die Möglichkeit, noch bis zum 25. Oktober Stellungnahmen einreichen zu können.

Stellungnahmen zum finalen Entwurf des Klimamobilitätsplans können noch bis Sonntag, 25. Oktober, abgegeben werden. Dies ist per Mail an stadtplanungsamt@biberach-riss.de oder per Post an Stadtplanungsamt Biberach, Museumstraße 2, 88400 Biberach, möglich. Zu finden ist der finale Entwurf unter www.biberach-riss.de im Bereich „Planen, Bauen, Umwelt“.