Erlebnistour zeigt Biberachs Vielfalt: Von der Backstube in die Welt der Weine
Spannende Einblicke in die Biberacher Geschäftswelt bot die mittlerweile neunte Erlebnistour der Stadt. Auch in diesem Jahr nahmen wieder 75 Personen in fünf Gruppen an der Tour teil, um verschiedene Geschäfte und deren Arbeit näher kennenzulernen. Dieses Mal standen Optiker Kreck, die Bäckerei Eisinger, die Riempp Rahmenmanufaktur, Herzels Gewürzladen und das Vinotheum auf dem Programm. Die Teilnehmenden erfuhren dabei Interessantes über die einzelnen Betriebe und das, was sie besonders macht.
Matthias Kreck ist bereits seit 42 Jahren als Augenoptiker tätig und seit 1999 auch Augenoptikermeister. Vor 20 Jahren übernahm er das Geschäft von Otto Rach. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane Kreck gab er den Teilnehmenden einen Einblick in die Arbeit des Betriebs.
Christiane Kreck erklärte die verschiedenen Messungen und Geräte und betonte dabei die Bedeutung regelmäßiger Augenchecks. Augenoptiker seien auch Gesundheitshandwerker, da sie durch spezielle Messgeräte nicht nur Sehschwächen feststellen, sondern teilweise auch Hinweise auf Krankheiten erkennen können, die über das Auge hinausgehen. Damit würden sie einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten, was vielen Menschen nicht direkt bewusst sei.
Matthias Kreck veranschaulichte, wie eine Brille in zwölf Arbeitsschritten entsteht, von der Ausmessung über die Zentrierparameter und die Schleifmaschine bis hin zum Einsetzen der Gläser.
In der Bäckerei Eisinger führte Besitzer Gustav Eisinger die Teilnehmenden durch die Backstube. Jede Nacht werden zwischen 1 und 5 Uhr 60 bis 80 verschiedene Produkte gebacken. Dafür werden täglich rund zwei Tonnen Mehl zu etwa 50 Teigen verarbeitet. Zehn Mitarbeitende sind allein in der Produktion beschäftigt, damit bis 5.15 Uhr alles fertig ist, um es an die einzelnen Standorte auszufahren.
Insgesamt beschäftigt das Familienunternehmen rund 90 Mitarbeitende aus 15 Nationen. Die Bäckerei blickt auf 326 Jahre Firmengeschichte in Biberach zurück und wird mittlerweile in der elften Generation geführt.
Gustav Eisinger entwickelt gern eigene Rezepte, was er selbst als sein Hobby bezeichnet. Dazu hatte er verschiedene Zutaten wie Gerstenmalz, Bohnenmehl, Buchweizen und Bergtee zum Probieren dabei. Aus einem Aufguss des Bergtees hat er außerdem ein Vitalbrot kreiert.
Auch digital ist die Bäckerei unterwegs: Die Rezepte werden für die jeweiligen Tage digital angezeigt. Zum Abschluss durften die Teilnehmenden selbst aktiv werden und ihre eigene kleine Seele formen. Diese wurden frisch gebacken und konnten beim gemeinsamen Abschluss, der bei Eisinger stattfand, verzehrt oder mit nach Hause genommen werden.
Die Riempp Rahmenmanufaktur blickt auf eine lange Geschichte zurück und wurde bereits 1896 gegründet. Sylvia Reh ist die derzeitige Inhaberin des Geschäfts und vereint gleich drei besondere Berufe: Bilderrahmerin, Restauratorin und Vergoldermeisterin.
Ihre größte Leidenschaft gilt der Bildeinrahmung, doch wie sie selbst sagt, könne man allein davon kaum leben. Deshalb habe sie nach Produkten gesucht, die das Leben schöner machen sollen. Neben hochwertigen Bilderrahmen gibt es dort Naturdüfte, Naturkosmetik, Duftkerzen sowie Produkte der Marken L'ERBOLARIO und Collines, außerdem seit 15 Jahren Kleidung der Marke Blutsgeschwister.
Besonders eindrucksvoll ist die Vergoldung der Rahmen, bei der sie hauchdünnes Blattgold aus Schwabach mit einem Achatstein aufträgt. Für neue Rahmen verwendet sie besonders gerne Weymouth-Kiefer. Bei Restaurierungen ist es ihr wichtig, beschädigte Rahmen zu erhalten und abgesplitterte Teile aufzubewahren, um die Wiederherstellung zu erleichtern.
Ihre Handwerkskunst ist auch überregional gefragt: Sie restauriert unter anderem kostbare Rahmen für Adelshäuser und fertigte für Trigema einen Rahmen für ein Porträt des bekannten Trigema-Affen an.
Bei der Spezerei Herzel erhielten die Teilnehmenden von Inhaberin Stefanie Stedtnitz, die seit 15 Jahren das Geschäft führt und Gewürzsomelière ist, spannende Einblicke in die Welt der Gewürze. Gegründet wurde das Unternehmen 1948 von Fritz Herzel Senior.
Der Begriff „Spezerei“ bezeichnete bereits im Mittelalter hochwertige Gewürze und Kräuter. Eines der ersten eigenen Rezepte war das Gulaschgewürz. Seit 2020 werden die Gewürze in Ummendorf auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern selbst verarbeitet. Täglich werden dort zwischen einer und 1,2 Tonnen Gewürze gemischt. Insgesamt umfasst das Sortiment mittlerweile über 1.600 Produkte und rund 450 Rezepturen, Tendenz steigend.
Jede Woche werden außerdem 60 bis 80 Kilogramm Pfeffer in der eigenen Mühle gemahlen. Die Produkte werden an mehr als 80 Händler geliefert, zu den größten Abnehmern zählt Rewe Engel. Besonders betonte Stedtnitz die Zusammenarbeit unter den Biberacher Unternehmen. Wenn einem Betrieb etwas ausgehe, helfe man sich gegenseitig – unabhängig davon, ob es sich um ein großes oder kleines Unternehmen handelt. Genau das mache für sie Heimat aus.
Das Vinotheum befindet sich mitten auf dem Biberacher Marktplatz. Inhaber und Gründer Maximilian Theobald empfing die Teilnehmenden und führte sie durch die Räumlichkeiten. Das Vinotheum gibt es seit September 2024, die Idee dazu entstand allerdings bereits im April 2021.
Damals startete Theobald, gelernter Architekt, mit dem Verkauf von Wein aus seiner eigenen Garage. Heute bietet das Vinotheum in Biberach auf 350 Quadratmetern und zwei Geschossen eine große Auswahl an Weinen und vielfältige Möglichkeiten rund um den Weingenuss. Gelagert werden die Weine auf einer Fläche von 450 Quadratmetern im Wolfental.
Wie Theobald erzählt, hat er sein Unternehmen mit viel Spaß und Leidenschaft aufgebaut und beschäftigt mittlerweile rund 20 Mitarbeitende an drei Standorten. Neben dem Weinverkauf gehören auch Weinproben, Seminare, Catering für Firmen und Sektempfänge für Hochzeiten zum Angebot. Die Räumlichkeiten im oberen Geschoss werden außerdem für Veranstaltungen wie Yoga-Kurse genutzt.
Eine Besonderheit ist der Frizzante vom Fass, den Theobald auch für private Feiern samt passender Ausschanktechnik anbietet. Bei der Erlebnistour konnten sich die Teilnehmenden selbst ein Bild von diesem besonderen Angebot machen.
Zum Abschluss trafen sich alle Teilnehmenden wieder bei der Bäckerei Eisinger. Dort lud die Stadt zu frischen Backwaren und Wein vom Vinotheum ein, womit die Erlebnistour in gemütlicher Runde ausklang.