Biberacher Bürgertag 2026: Fünf Ehrenamtliche erhalten Bürgerurkunde

Zum elften Mal hat die Stadt zum Biberacher Bürgertag eingeladen. Im Fokus standen wieder Bürgerinnen und Bürger mit besonderem ehrenamtlichem Engagement. Fünf Personen aus unterschiedlichen Bereichen durften in der mit rund 400 Gästen gut gefüllten Stadthalle die Bürgerurkunde aus den Händen von Oberbürgermeister Norbert Zeidler entgegennehmen und wurden so für ihre teilweise jahrzehntelange Tätigkeit im Dienst der Allgemeinheit geehrt.

Bild vergrößern: Bürgertag2026: Empfänger der Bürgerurkunde
Hans Birkle (v.l.), Bernhard Lingenhöle, Michaela Müller, Claudia Steinhilber und Thomas Schilling erhielten die Bürgerurkunde von OB Zeidler.

  

Mit Blick auf den Termin der Veranstaltung, den 8. Oktober, bemerkte Zeidler in seiner Eröffnungsrede, dass dieser Monat „ein äußerst geselliger, ein heimeliger Monat“ sei. Ausgehend davon machte er anschließend auf die Bedeutung von Heimat und Gemeinschaft aufmerksam: „Menschen, Gemeinschaft, Freunde, Vereine – auch sie sind Heimat.“

Dabei stellte er vor allem die Menschen in den Mittelpunkt und kam auf das Engagement der Geehrten zu sprechen. „Sie ergreifen Hände, sie geben Raum, sie zeigen Mitmenschlichkeit, sie helfen, dass junge Menschen ihren Weg finden.“ Dabei trügen sie durch ihr Handeln dazu bei, „dass die Welt jeden Tag ein klein wenig heller ist, als sie es ohne ihr Dasein und ihr Tun wäre“. Dies stärke auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, denn die Ehrenamtlichen spannten dadurch ein „Netz auf, in dem man ‚Heimat‘ finden kann.“ Zeidler lobte die gute Auswahl der diesjährigen Geehrten und rief im Hinblick auf zukünftige Bürgertage dazu auf, gerne mit Vorschlägen für zukünftige Kandidatinnen und Kandidaten auf die Stadt zuzukommen.

Durch den Abend führte Moderatorin Nadja Cramer, musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Sinfonieorchester des Musikvereins Biberach unter der Leitung von Andreas Winter. Wie bereits im vergangenen Jahr wurden die Akteure und ihre Arbeit jeweils in einem Video vorgestellt und kamen in einer Gesprächsrunde noch einmal zu Wort.

Thomas Schilling und Claudia Steinhilber (DRK-Ortsverein Biberach)
Die beiden Ehrenamtlichen des DRK sind bereits seit vielen Jahren als Bereitschaftsleitung tätig. Thomas Schilling, hauptberuflich Industriekaufmann, wurde praktisch in eine DRK-Familie hineingeboren und hat diesen Dienst am Menschen schon sehr früh „vorgelebt bekommen“.

Auch Claudia Steinhilber, die als Grundschullehrerin arbeitet, hat diesbezüglich eine familiäre Vorgeschichte: Ihr Vater war beim THW aktiv. Die Zusammenarbeit mit Schilling beschreibt sie als angenehm: „Es ist hilfreich, dass wir uns gut kennen, wir verstehen uns mit wenigen Worten.“ Dieser ergänzt: „Wir sind eine große Familie, allein schaffen wir nichts.“

Besonders prägend war für beide die Flutkatastrophe im Ahrtal. Schilling war für die Einsatzplanung der Helfenden zuständig. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so belastend sein kann, Helfer auszuwählen und ins Einsatzgebiet zu schicken, ohne zu wissen, ob sie wiederkommen“, erinnert er sich. Steinhilber war damals selbst vor Ort und beschreibt die Woche rückblickend als „sehr hart“. Danach ging es für beide wieder in ihren normalen Beruf. Auch dort sind sie als Rotkreuzler gefragt, sei es als Ersthelfer oder wenn es um Sicherheitskonzepte geht. Bei aller Anstrengung und Belastung ist es jedoch eine erfüllende Tätigkeit. „Ich habe hier meinen Platz gefunden“, resümiert Steinhilber.

Michaela Müller (Tierschutzverein Biberach)
Zum Ehrenamt kam Michaela Müller vor mehr als 35 Jahren, anfänglich als Gassi-Geherin für das Tierheim. Als sie dann gefragt wurde, ob sie sich mehr vorstellen könne, war ihr klar: Sie möchte sich noch intensiver für die Tiere engagieren.

Zu den Haupttätigkeiten von Michaela Müller gehören der Tierschutz vor Ort, also beispielsweise die Rettung von Tieren aus schlechter Haltung oder die Sorge für die Kastration freilaufender Katzen. Mittlerweile ist sie aber auch mehr und mehr im administrativen Bereich tätig und koordiniert die Tätigkeiten des Vereins. „150 WhatsApp-Nachrichten pro Tag sind keine Seltenheit“, berichtet sie. Auch Müller betont hierbei die große Wichtigkeit der Zusammenarbeit im Team: „Daher möchte ich die heutige Ehrung auch an meine Kollegen weitergeben.“

Ihre Zusammenarbeit mit der Stadt in Bezug auf die neue Katzenschutzverordnung war sehr intensiv. Durch die Verordnung käme das Problem der freilaufenden Katzen mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung, denn diese stammten allesamt von Halterkatzen ab.

Finanziert wird der Verein hauptsächlich durch Zuwendungen aus Nachlässen. Diesen „unbekannten“ Personen sei man sehr dankbar und bringe ihnen durch Blumen auf ihren Gräbern nachträglich Wertschätzung entgegen, so Müller.

Hans Birkle (Weißer Ring Biberach)
Als der Weiße Ring Biberach 1976 gegründet wurde, war Hans Birkle 27 Jahre alt und bereits seit fünf Jahren bei der Kripo Biberach tätig. „Die Polizei will in erster Linie die Täter ermitteln, das Leid der Opfer und deren Angehörigen wird zu wenig berücksichtigt“, stellt Hans Birkle fest. Das sei der Hauptgrund für die Gründung des Weißen Rings gewesen. Der Weiße Ring übernehme die Aufgaben, die eigentlich der Staat erledigen müsse, so helfe man beispielsweise den Opfern von Straftaten, einen rechtlichen Beistand oder psychologische Betreuung zu erhalten. Im Sechs-Augen-Prinzip gibt es dann Gespräche mit den Betroffenen, um zu klären, was nötig ist. Die Straftaten können dabei von Wohnungseinbrüchen bis hin zu Vergewaltigungen gehen.

18 Jahre war Hans Birkle Leiter der Außenstelle des Weißen Rings in Biberach, vor zwei Jahren hat er diese Leitung abgegeben. Er ist aber nach wie vor im Verein sehr aktiv und wünscht sich für die Zukunft einen weiteren Ausbau der Aktivitäten: „Wir sind tätig in der Opferbetreuung, benötigen aber auch jemand für die Pressearbeit, die Pflege der Homepage oder das Fundraising.“ Es gebe also noch viel zu tun.

Bernhard Lingenhöle (Radsportclub Biberach)
Zur Verstärkung holte sich Moderatorin Nadja Cramer mit Rolf Gölz eine echte Radsport-Legende und ehemaligen Weggefährten von Bernhard Lingenhöle auf die Bühne. Der auch „Turbo“ genannte ehemalige Profi Gölz gehörte in den 1980er-Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Radsportlern.

Bernhard Lingenhöle, in Rißegg geboren, ist seit 46 Jahren Mitglied des Radsportclubs Biberach und dort für den Nachwuchs zuständig. Begonnen hat er mit dieser Tätigkeit, als sein damals zehnjähriger Sohn mit dem Radsport anfangen wollte, und es hierfür im Verein keinen speziellen Trainer gab. Also nahm Lingenhöle kurzerhand selbst das Heft in die Hand, denn „der Nachwuchs ist unsere Zukunft“, stellt er fest. Es sei schön, mitanzusehen, wie dieser sich entwickelt und zielgerichtet Sport treibt. Aus seiner Betreuung gingen auch einige international erfolgreiche Radsportler hervor, etwa Jakob Steigmiller oder Laura Süßemilch. An oberster Stelle steht für Lingenhöle jedoch der Spaß.

Mit fünf Jahren fangen die Kinder mit ihrem Training an, zunächst im Stadion und nicht auf den Straßen. „Ein geschützter Raum ist wichtig“, so Lingenhöle. Deshalb wünscht er sich von der Stadt, dass dies auch nach der Sanierung des Stadions durch die Stadt ermöglicht wird.

Zum Abschluss durften auch die anderen Geehrten Wünsche äußern. Claudia Steinhilber vom DRK rief dazu auf, mehr Erste-Hilfe-Kurse zu besuchen, „damit man selbst Wunden versorgen und eventuell Leben retten kann“. Michaela Müller vom Tierschutzverein schloss mit einem Appell: „Wenn sich jemand ein Haustier anschaffen möchte: Melden Sie sich im Tierheim!“. Hans Birkle vom Weißen Ring zeigte sich zufrieden mit der Unterstützung des Ehrenamts seitens der Stadt: „Andere Rathäuser haben keinen Ehrenamtsbeauftragten, das sollte man auch würdigen.“