Jahresinterview mit Oberbürgermeister Norbert Zeidler: „2025 war für die Stadt ein gutes Jahr“

Herausragende Ereignisse, schmerzliche Abschiede, innerstädtische Baustellen: Auch 2025 ist in Biberach wieder viel los gewesen. Oberbürgermeister Norbert Zeidler ordnet im BIKO-Interview die Geschehnisse des vergangenen Jahres ein und blickt voraus. Auf anstehende Investitionen, eine notwendige Priorisierung und die planerischen Herausforderungen auf dem Hirschberg

Bild vergrößern: OB Zeidler an der Pflugbüste Bild: © Kliebhan
OB Zeidler an der Pflugbüste, Hinter Biberach liegt ein Jahr mit vielen Herausforderungen. Beim Blick auf 2026 freut sich Oberbürgermeister Norbert Zeidler unter anderem auf die Gegenzeichnung der Freundschaftsvereinbarung mit Guernsey in Biberach.

  

Herr Zeidler, wie fällt Ihr Fazit für 2025 aus?

2025 war für die Stadt ein gutes, finanziell sogar ein sehr gutes Jahr. Es war auch ein Jahr mit vielen Herausforderungen. Für mich persönlich war 2025 aufgrund meiner Erkrankung eines der spannendsten meines Daseins.

Bei Ihnen wurde im Sommer ein gutartiger Hirntumor operativ entfernt. Wie geht es Ihnen heute?

Ich hatte das ganze Frühjahr über gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Nach der Diagnose ließ sich rückblickend vieles erklären. Heute geht es mir auch seelisch wieder deutlich besser, ich habe in den vergangenen Monaten wieder meine alte Lebensfreude entwickelt.

Die Freundschaftsvereinbarung mit Guernsey, die Feierlichkeiten rund um den 150. Geburtstag von Matthias Erzberger, die Eröffnung des neuen Freibads – waren das die herausragenden Ereignisse?

Das trifft es ganz gut, ergänzt durch ein paar weitere schöne Jubiläen: 25 Jahre Abdera, 50 Jahre Eingemeindung Mettenbergs, 50 Jahre SG Mettenberg, 100 Jahre Musikverein Stafflangen. Wir durften auch eine tolle Liebherr-Ausstellung und ein großartiges Freeflow- Festival erleben, bei dem beispielsweise Zartmann auf der Bühne stand, der wenig später mit dem Bambi ausgezeichnet wurde. Aber das vergangene Jahr war auch eines mit traurigen Abschieden.

Unter anderem verstarben die Ehrenbürger Claus-Wilhelm Hoffmann und Sieglinde Vollmer.

Auch von Alfred Braig, Lothar Krause und Wolfgang Grimm mussten wir uns verabschieden. Menschen, die unsere Stadt geprägt haben. Schmerzlich war für mich auch der Tod meiner langjährigen Sekretärin Sonja Grimm. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal meine Sekretärin auf dem letzten Weg begleiten muss.

Im vergangenen Jahr traten mit Julian Adler (Amt für Bildung, Betreuung und Sport) und Frauke Holland (Forstamt) zwei junge Amtsleiter ihren Dienst an. Ein Trend, der sich auf Führungsebene bei der Stadtverwaltung bereits 2024 mit Lukas Ritzler (Amt für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung) und den Dezernenten Verena Fürgut und Simon Menth abgezeichnet hatte.

Ich bin sehr dankbar, dass der Gemeinderat jungen Menschen immer wieder eine Chance gibt, darunter auch das ein oder andere Eigengewächs, wie jüngst Corona Eggert. In meinen Augen ist es der richtige Schritt, junge Kolleginnen und Kollegen in Verantwortung zu setzen. Sie werden alle ihren Weg gehen – und das hoffentlich möglichst lange bei der Stadt.

Der Bürgerbeteiligungsprozess „Platz für alle“, bei dem sich viele mehr Grün und mehr Sitzmöglichkeiten in der Innenstadt gewünscht hatten, fand in der Hindenburgstraße seine Fortsetzung. Lässt sich das noch weiter ausbauen?

Mit Sicherheit, sofern der notwendige Platz vorhanden ist, was sich in der verwinkelten Innenstadt selbst eingrenzt. Eine Möglichkeit ist die Ulmer-Tor-Straße. Ich selbst habe beste Sicht auf die Pflanzkübel mit Sitzbänken auf dem Marktplatz. Dort fast den ganzen Tag über Menschen sitzen zu sehen, macht Freude. Diese Ruhezonen werden sehr gut angenommen.

Auch in größerem Maßstab wurde für mehr Aufenthaltsqualität gesorgt. Die Umgestaltung der Parkanlage Lindele ist ebenso abgeschlossen wie der Bau des Grünzugs Flugplatz/Weißes Bild, auf dem Gigelberg haben die Arbeiten im Herbst begonnen.

Nach meiner Reha habe ich die umgesetzten Maßnahmen mit großer Freude angeschaut. Das Lindele ist sehr gut gelungen, hat eine hohe Aufenthaltsqualität. Ein großartiges Erbe unserer Vorfahren, dem wir neuen Schwung verliehen haben. Beim Grünzug Flugplatz hat mich die schiere Dimension des Projekts staunen lassen. 5.000 Bäume und 5.000 Sträucher zu pflanzen ist beachtlich. Der Gigelberg hat es durchaus nötig, mal abgestaubt zu werden. Er hat immer noch den Charme des vorherigen Jahrhunderts.

Das Jahr 2025 war auch eines der Baustellen. Mit Schulstraße, Rollinstraße und Riedlinger Straße waren drei wichtige innerstädtische Verbindungen betroffen – was mitunter zu Kritik und Diskussionen im Gemeinderat führte.

In meinen Augen führen wir da stellenweise eine etwas verlogene Diskussion. Jeder will Breitband, Fernwärme und eine intakte Infrastruktur, aber niemand eine Baustelle. Wir haben im infrastrukturellen Bereich aber einen großen Nachholbedarf, auf die Stadt wird in den nächsten zehn Jahren eine große Sanierungswelle zurollen. Allein schon, um die Versorgung mit Wasser weiterhin zu gewährleisten. Ich gehe davon aus, dass der Gemeinderat das positiv begleitet. Auf der anderen Seite habe ich aber auch volles Verständnis, dass dies für die betroffenen Anwohner nervig ist.

Der Investitionsschwerpunkt lag 2025 einmal mehr im Bereich Schulen und Kindergärten, was auch für das neue Jahr gilt.

Ich hätte durchaus Freude daran, auch mal andere Projekte zu machen. Nichtsdestotrotz sind die Maßnahmen im Bereich Bildung und Betreuung allesamt wichtig und schön – ich betone gerne, dass Schulen unsere öffentlichsten Einrichtungen überhaupt sind. Wir müssen erkennen, dass wir hier einen großen Nachholbedarf haben und dennoch Prioritäten setzen müssen.

Prioritäten – ein gutes Stichwort für die anstehenden Haushaltsberatungen. Die Projekt- und Investitionsdichte ist enorm, nicht alles wird umgesetzt werden können. Welche Lösung gibt es?

Es ist hochinteressant zu sehen, welche Baumaßnahmen jährlich geplant sind und was davon tatsächlich geschafft wurde. Klar ist, dass wir so nicht weitermachen können. Wir müssen gemeinsam versuchen, die Lücke zwischen Investitionsprogramm und Haushalt bestmöglich zu schließen. Die im Investitionsprogramm hinterlegten Projekte wollen wir auch umsetzen, da stehen wir zu 100 Prozent dahinter. Wir haben aber nicht die personellen Kapazitäten, das in der gewollten Schnelligkeit zu tun. Wir können nicht fünf Schulen gleichzeitig sanieren – wir sind nicht die Stadt Stuttgart.

Stadtrat Paul Lahode (CDU) hat zu seinem Abschied vor ein paar Wochen auch nachdenkliche Worte gewählt. Verzettelt sich der Gemeinderat zu oft im Klein-Klein?

Zumindest habe ich manche Diskussion während meiner Krankheitsphase etwas süffisant verfolgt. Wohl jener Stadt, die kein größeres Problem hat als die Frage, ob eine Haltestelle als Buskap oder Busbucht ausgeführt wird. Trotzdem: 95 Prozent der Beschlüsse im Gemeinderat werden in großem Einvernehmen und einstimmig gefasst.

Wie geht es beim geplanten Baugebiet Hirschberg weiter?

Bei der Präsentation der Vorentwürfe im Januar 2025 fand keine der drei Varianten eine Mehrheit. Auf dem Hirschberg kommen ganz viele unterschiedliche Schwerpunkte zusammen. Ich gehe davon aus, dass wir hierzu noch einige heiße und vielleicht auch erbitterte Diskussionen führen werden.

Es gibt sowohl den Wunsch nach verdichtetem Wohnen als auch nach vielen Einfamilienhäusern, außerdem soll möglichst viel Grün erhalten werden. Das alles noch zu erträglichen Kosten, in einer schwierigen Topografie, aber auch in einer einzigartigen Lage. Aus all dem eine mehrheitsfähige Schnittmenge zu erhalten, wird schwierig. Ich rechne damit, dass die modifizierten Pläne zeitnah in diesem Jahr dem Gemeinderat vorgestellt werden.

Was rückt 2026 in den Fokus?

Bei den Landtagswahlen im März werden wichtige Weichen für Baden- Württemberg gestellt. Es geht um die Prioritäten und Ausrichtung des Landes für die kommenden Jahre. In Biberach freue ich mich unter anderem auf das Landesjazzfestival im April, mit dem wir unsere landesweite Strahlkraft dokumentieren können, dass die Sanierung des Stadions in Angriff genommen wird – unsere sportliche Visitenkarte hat es nötig, abgestaubt zu werden – und die Wiedereröffnung des Wieland-Gartenhauses. Ein historisches Kleinod wird mit neuem Konzept wieder für die Bevölkerung zugänglich gemacht. Ein besonderer Moment wird mit Sicherheit die Gegenzeichnung der Freundschaftsvereinbarung mit Guernsey in Biberach.

 

Das Jahresinterview erschien im Biberach Kommunal Nr. 1 vom 17. Januar 2026.