Musikverein Biberach erhält einen Zuschuss in Höhe von 10.200 Euro: Stadt übernimmt Kosten für Stadtkapellen-Dirigat

Seit den 1960er-Jahren hat die Stadt Biberach die Dirigate der beiden Orchester des Biberacher Musikvereins bezahlt. Geregelt dadurch, dass Teile des Deputats des städtischen Musikdirektors für das Dirigat von Sinfonieorchester (15 Prozent) und Stadtkapelle (20 Prozent) eingesetzt wurden. Eine Vereinbarung, die hinsichtlich der Stadtkapelle im Jahr 2023 aufgelöst wurde. Der Musikverein stellte jetzt den Antrag, dass die Stadt diese Kosten in Höhe von jährlich 10.200 Euro übernimmt. Der Gemeinderat folgte dem mehrheitlich. Die Verwaltung hatte eine Unterstützung in
Bild vergrößern: Gruppenbild der Biberacher Stadtkapelle Bild: © Herbert Köppen
Gruppenbild der Biberacher Stadtkapelle

Der Leiter der Biberacher Musikschule war bislang auch Dirigent von Stadtkapelle und Sinfonieorchester und wurde im Umkehrschluss auch von der Stadt bezahlt: Dieser Grundsatz galt bis zur Auflösung der Vereinbarung zur Übernahme des Stadtkapellen-Dirigats im Jahr 2023. Anlässlich der städtischen Haushaltskonsolidierung wurden bei verschiedenen Vereinen die Förderungen reduziert, auch bei der Stadtkapelle. Zudem hatte Musikdirektor Andreas Winter deren Leitung im Januar 2023 abgegeben, das Sinfonieorchester dirigiert er weiterhin. Auf Winter folgte mit Martin Remke übergangsweise eine interne Lösung. 2024 übernahm Simon Föhr das Dirigat der Stadtkapelle, die aktuell 65 aktive Mitglieder hat. Die Kosten für die musikalische Leitung der Stadtkapelle liegen aktuell bei etwa 10.200 Euro im Jahr. Im vergangenen Jahr suchte Johannes Walter, seit Februar 2024 Vorsitzender des Musikvereins, das Gespräch mit der Verwaltung, um über eine zukünftige finanzielle Unterstützung des Dirigats zu sprechen. Es folgte ein Antrag, dass die Stadt die Dirigentenkosten in Höhe von 10.200 Euro pro Jahr übernehmen soll.

Walter verweist in dem Antrag darauf, dass der Musikverein seit Jahrzehnten beide Dirigate mit einem Anteil von 35 Prozent der Stelle des Musikdirektors finanziert bekommen habe. „Dies halte ich für angemessen, unterstreicht es doch auch die Wertigkeit des Musikvereins in der Stadtgeschichte.“ Kultur- und Bildungsdezernentin Verena Fürgut betonte bei der Vorberatung im Hauptausschuss, dass allen Beteiligten daran gelegen sei, eine gute Lösung zu finden.

7.000 Euro wären angemessen

Sie berichtete von mehreren Gesprächen im vergangenen Jahr mit den Verantwortlichen des Musikvereins. Der Vergleich mit anderen Stadtkapellen in der Region zeigt laut Fürgut, dass in den meisten Fällen die Kosten für das Dirigat übernommen oder zumindest bezuschusst werden. „Auch wir können uns hierfür eine städtische Bezuschussung wieder vorstellen.“ Die Besonderheit der Stadtkapelle als sinfonisches Höchststufen-Blasorchester, das gleichzeitig verschiedene Verpflichtungen zur Bereicherung des städtischen Kulturlebens habe, rechtfertige dies aus Sicht der Verwaltung. Die finanzielle Unterstützung setze eine aktive Nachwuchsarbeit, um den Übergang von den Jugendorchestern der Bruno-Frey- Musikschule zur Stadtkapelle zu unterstützen, Mitwirken am kulturellen Leben durch mindestens sechs Auftritte im Jahr, die unentgeltliche Begleitung städtischer und kirchlicher Veranstaltungen sowie die regelmäßige Teilnahme an Wertungsspielen voraus. „Alles Dinge, die die Stadtkapelle bislang bereits macht“, ordnete die Dezernentin ein. Abschließend zu klären sei die Frage der Zuschusshöhe. Die Verwaltung schlage die Übernahme von etwa zwei Drittel der Kosten vor, also einen Zuschuss in Höhe von 7.000 Euro. „Das halten wir für angemessen.“ Der Verwaltungsvorlage ist zu entnehmen, dass der Musikverein überdies weiterhin die 2017 festgelegten Zuschüsse erhält, die sich (ohne die Kosten für das Dirigat des Sinfonieorchesters) auf rund 10.000 Euro belaufen.

Die Fraktionsvertreter zeigten sich dem Antrag der Stadtkapelle gegenüber aufgeschlossen, lediglich bei der Höhe des Zuschusses gab es unterschiedliche Auffassungen. Seine Fraktion könne dem Verwaltungsantrag zustimmen, sagte Josef Weber (Grüne). Die Stadtkapelle gehöre schon seit Generationen zum kulturellen Leben in Biberach. „Wir Teilortmusikanten schätzen unsere Stadtkapelle“, sagte Weber, der selbst im Musikverein Mettenberg aktiv ist. Er wies aber auch darauf hin, dass die Kapellen in den Teilorten ihre Dirigenten selbst bezahlen müssten. Stefanie Etzinger (FW) erklärte, dass ihre Fraktion der Bezuschussung in Höhe von 7.000 Euro zustimmen werde. Diese könne sie sich auch rückwirkend ab 2024 vorstellen.

Die Fraktionsvertreter von SPD, FDP und CDU signalisierten hingegen, ab dem Jahr 2025 die kompletten Kosten für das Dirigat übernehmen zu wollen. Stadtkapelle und Sinfonieorchester hätten eine gewisse Sonderstellung im kulturellen Leben Biberachs, sagte Ulrike Wachter (SPD). Der Antrag des Musikvereins sei deshalb nachvollziehbar. Auch Hildegard Ostermeyer (FDP) verwies darauf, dass die Stadtkapelle das kulturelle Leben seit Jahrzehnten bereichere. Sie freue sich über die steigende Zahl aktiver Musiker. Die FDP unterstütze die vollständige Übernahme der Kosten für das Dirigat.

„Besondere Beziehung“

Peter Schmogro (CDU) rückte die „historische Tiefe“ der Verbindung zwischen der Stadt, dem Musikdirektor und der Stadtkapelle beziehungsweise ihrer Vorgänger in den Blick. Einer der ersten Musikdirektoren sei Justin Heinrich Knecht gewesen. „Diese besondere und langjährige Beziehung zwischen Musikdirektor und Musikverein muss im Auge behalten werden.“ Insofern sehe er die Stadt durchaus in einer gewissen Verantwortung für das Dirigat der Stadtkapelle. Schmogro stellte den Antrag, dass die Stadtkapelle ab Januar 2025 einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 10.200 Euro für das Dirigat erhält. Außerdem soll der Zuschuss auf Grundlage der durchschnittlich im jeweils aktuellen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst vereinbarten Steigerungen dynamisiert werden.

Ein Antrag, der im Hauptausschuss bei acht Ja- und sieben Neinstimmen knapp angenommen wurde. OB Norbert Zeidler hatte sich enthalten. Auch im Gemeinderat erhielt der Antrag eine Mehrheit (17 Ja, 12 Nein, 2 Enthaltungen).