Projekt in der Riedlinger Straße benötigt vorhabenbezogenen Bebauungsplan: Mehrgenerationenhaus mit 38 Wohnungen in der RIedlinger Straße

Die Grundstückseigentümer planen in der Riedlinger Straße ein Mehrgenerationenhaus mit circa 38 Wohnungen. Die drei Gebäude mit den Hausnummern 73, 75 und 75/1 sollen dafür abgerissen werden. Da die geplante Neubebauung in diesem Umfang derzeit nicht genehmigungsfähig ist, soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Dieses Verfahren leitete der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung ein. Außerdem wurde beschlossen, dass der Gestaltungsbeirat das Vorhaben begleitet.
Bild vergrößern: Riedlingerstraße, Hausnummern 73 und 75.
Drei Häuser sollen in der Riedlinger Straße abgerissen werden, darunter jene mit den Hausnummern 73 (l.) und 75. Sie sollen
Platz machen für ein Mehrgenerationenhaus.

Die direkt an der Riedlinger Straße liegenden Häuser Nummer 73 und 75 sind laut Eigentümern stark sanierungsbedürftig, das etwas zurückversetzte Gebäude 75/1 sei seit einem Wasserschaden im Jahr 2023 unbewohnbar. Wie aus den Sitzungsunterlagen hervorgeht, sei eine Instandsetzung der Gebäude und eine Anhebung des Wohnstandards auf heutige Verhältnisse wirtschaftlich nicht darstellbar.

Der Vorhabenträger ist im Besitz der betroffenen Grundstücke. Auf dem rund 2.500 Quadratmeter großen Areal ist nach dem Abriss des Bestands eine u-förmige Neubebauung mit circa 38 Wohneinheiten und einer Tiefgarage vorgesehen. Geplant sind neben Ein- und Drei-Zimmer-Wohnungen überwiegend Zwei-Zimmer-Wohnungen (70 Prozent). Das Konzept trägt den Titel „Mehrgenerationenhaus“ – in Vermietung und Verkauf. Bis zu zwei Drittel der Wohnungen sollen gefördert sein (Sozialwohnungen), ein Drittel verkauft werden. Ein Teil der Wohnungen soll an bedürftige Personengruppen, auch zeitlich begrenzt, vermietet werden. Erste Kontakte unter anderem zu Tagesmütterverein, Jugendamt Biberach sowie zur Lebenshilfe Biberach hat es seitens des Investors bereits gegeben.

Mehrzwecknutzung im Foyer

Das Nutzungskonzept sieht im Untergeschoss Tiefgarage, Kellerräume und Technik vor. Im Erdgeschoss könnte das Foyer mehrere Nutzungen erfahren: Quartiersarbeit, Bücherecke, Lesungen, Veranstaltungen, Tagesmütterverein. Im Obergeschoss befinden sich die Wohnungen. Wie Stadtplanungsamtsleiter Roman Adler im Gemeinderat erklärte, braucht der Neubau neues Planungsrecht. Über den Bebauungsplan „Riedlinger Straße Süd/Wolfental“ aus dem Jahr 1970 sei dieses nicht genehmigungsfähig. „Wir schlagen vor, das Konzept positiv zu begleiten und das Bebauungsplanverfahren einzuleiten.“ Aufgrund der prominenten Lage des Grundstücks und dem Umfang der geplanten Bebauung soll das Vorhaben außerdem vom Gestaltungsbeirat begleitet werden.

Zudem ist ein Durchführungsvertrag erforderlich. Der Investor verpflichtet sich darin zur Umsetzung des Vorhabens innerhalb einer bestimmten Frist und zur Übernahme von Planungs- und Erschließungskosten. Auch die gesicherte Finanzierung muss im weiteren Verfahren nachgewiesen werden. Nach der noch für dieses Jahr geplanten frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung soll der Bebauungsplan 2025 rechtskräftig werden. Ab 2026 könnte dann gebaut werden.

Die Fraktionsvertreter begrüßten die angestrebte Entwicklung grundsätzlich, äußerten aber auch Bedenken. Friedrich Kolesch (CDU) verwies auf die zuvor erfolgte nichtöffentliche Beratung im Bauausschuss, bei der sich die Räte intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hätten. Die Stadt müsse schließlich überprüfen, ob solche Pläne Bestand haben können. Im Moment könne davon ausgegangen werden, so Kolesch. „Wir bitten die Verwaltung aber, das Vorhaben eng zu begleiten und darauf zu achten, dass besprochene Dinge auch umgesetzt werden.“ Silvia Sonntag (Grüne) sprach von einem „sehr ambitionierten Projekt“. Sie gehe davon aus, dass die Bevölkerung sich bei der Öffentlichkeitsbeteiligung entsprechend einbringen werde. Sonntag kündigte ebenso Zustimmung an wie Silvia Reisch für die Freien Wähler.

Constantin Ruppel (SPD) konstatierte, dass sich seine Bedenken in Bezug auf das Projekt nicht verändert hätten. „Es könnte ein Traum sein“, sagte er angesichts der vielen geplanten Nutzergruppen, „aber die Idee ist noch nicht ausgereift genug.“ Insbesondere die Anbindung der sozialen Träger werfe Fragen auf. Günther Warth (FDP) betonte, dass ein solches Bauvorhaben in dieser Dimension selten vorkomme. Die anfänglichen Sorgen hätten zwischenzeitlich etwas entkräftet werden können. Der aktuell unschöne Zustand werde durch eine verdichtete Bebauung ersetzt, dies finde die Zustimmung seiner Fraktion.

Bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme hat der Gemeinderat der Einleitung des Verfahren zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zugestimmt.