Europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen für die Umgestaltung: Aufwertung für das Wolfental
Das mit dem „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ geförderte Projekt im Wolfental soll nicht nur die ökologischen Qualitäten des Grünzugs stärken, sondern auch dessen Naherholungscharakter und Anbindung an die Altstadt. Zudem werden weitere Flächen für den Hochwasser- und Starkregenschutz geschaffen. Die neun geplanten Bausteine werden auf städtischem Grund umgesetzt und wurden vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Wasserwirtschaftsamt besprochen. „Wir würden dieses große Paket jetzt gerne umsetzen“, sagte Stadtplanungsamtsleiter Roman Adler bei der Vorberatung im Bauausschuss, wo er auch die verschiedenen Bausteine kurz skizzierte.
Los geht es am Ratzengraben im Bereich des Parkdecks Stadthalle. Dieser bislang nicht final gestaltete Teil soll fertiggestellt werden. Weiter stadtauswärts (Felsengartenstraße) soll die baufällige südliche Begrenzungsmauer abgebrochen und das Rotbach-Ufer als Böschung neugestaltet werden. Dadurch entsteht voraussichtlich ein direkter Zugang zum Bach. Im „Inneren Wolfental“ bis zur Steigmühlstraße soll der Bach aus seinem tiefeingeschnittenen Bett hervorgehoben und durch flach ausgebildete Ufer immer wieder gut zugänglich und dadurch erlebbarer gemacht werden. Außerdem könnten die Freizeitmöglichkeiten rund um den vorhandenen Wasserspielplatz ergänzt werden. Der Hochwasserdamm soll besser in die Landschaft integriert werden, ein Pfad mit essbaren Wildpflanzen könnte hier ein Gestaltungselement sein. Für den Wolfentalbach ist bis zum Kanalauslass eine Umgestaltung vorgesehen. Als Referenz dient der bereits 2016 renaturierte Abschnitt. „Nach dieser Blaupause wollen wir vorgehen“, erklärte Adler, „man hat die Natur einfach machen lassen.“ Der neue Gewässerverlauf soll nur grob profiliert und die Ausgestaltung der Dynamik des Bachs überlassen werden. In diesem Zug soll auch die Wiesenfläche anhand eines Pflegekonzepts extensiviert werden. Eine Möglichkeit wäre die Bewirtschaftung mit Wasserbüffeln. Auch der Kanal soll wieder erlebbarer werden. Geplant ist ein Wiesenpfad als neue Spazierstrecke, der zugewachsene Damm soll sichtbarer werden. Weitere Maßnahmen am Kanal könnten ein Informationspfad zum Biber sowie ein Picknick- und Pausenplatz sein.
Rückzugsort im Sommer
Abgerundet wird das Konzept durch zwei Maßnahmen im südlichen Abschnitt. Hier soll die Gewässerstruktur verbessert werden und ein Naturerlebnisbereich direkt am Wasser entstehen. Mit Sitz-, Grill- und Picknickplatz sowie Spielgelegenheiten soll dieser Bereich ein kühler Rückzugsort im Sommer werden. Auch Informationstafeln zum Thema Lebensraum Wolfental könnten platziert werden.
Das vorgestellte Konzept stieß im Bauausschuss auf ein überwiegend positives Echo. „Die Vorlage ist super, da geht einem das Herz auf“, sagte Christoph Kapfer (Grüne). Er regte an, Bänke auf dem Damm zu platzieren, um den Wasserbüffeln in Ruhe zuschauen zu können. Grundsätzlich sei es lobenswert, wenn der Natur wieder etwas zurückgegeben werde. Claudia Reisch (FW) bezeichnete die Pläne als einen Gewinn – sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch den Naturschutz. Einen zweiten Picknick- Platz brauche es aber aufgrund der zu befürchtenden Vermüllung nicht. „Auch wir sind überzeugt von diesem Konzept“, sagte Walter Scharch (SPD). Dieses mache nicht nur die Wasserbüffel glücklich, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger. Eine Grillstelle einzurichten, finde er einen Gedanken wert. Oliver Lukner (FDP) bekannte, „direkt Urlaubsgefühle zu bekommen“. Den Picknick- und Grillplatz finde seine Fraktion schön. Man müsse diesen richtig angehen und dürfe ihn nicht pauschal ablehnen. „Wir sollten uns nicht nach jenen richten, die sich nicht benehmen können.“ Skeptischer wurden die Pläne von Nico Ruß (CDU) beurteilt. Er verwies auf die vielen Steuergelder, die bei diesem Projekt fließen. Deren Verwendung sollte seiner Auffassung nach priorisiert werden. „Das Wolfental ist bereits schön.“ Ruß erkundigte sich nach möglichen Schäden, wenn die Flächen hinter dem Damm eingestaut werden. Seine Fraktion werde zustimmen, er selbst aber nur unter Protest.
Die Frage nach möglichen Schäden bei Hochwasser sei berechtigt, erklärte Roman Adler. Im vergangenen Jahr habe sich aber gezeigt, dass am renaturierten Abschnitt nichts habe gemacht werden müssen. Adler sicherte außerdem zu, dass die genaue Planung der einzelnen Bausteine nochmals im Gemeinderat vorgestellt wird.